top of page

Kosmos unter Kuppeln

Ort

Bad Aibling

Status

Wettbewerb

Jahr

2025

Text

Kontext & Vision

Das ehemalige Echelon-Gelände in Bad Aibling war jahrzehntelang ein Ort des Verborgenen. Hinter den ikonischen weißen Kuppeln verbarg sich ein globales Abhörsystem – Kontrolle, Isolation und Geheimhaltung bestimmten die Atmosphäre. Heute eröffnet sich die Möglichkeit einer radikalen Transformation: Aus Symbolen der Überwachung werden Räume der Offenheit, der Forschung und der kollektiven Utopie. Unser Entwurf versteht die Radome nicht als Relikte, sondern als Zukunftslabore. Sie werden zu einer Übungsstation, in der Autarkie, gemeinschaftliches Leben und wissenschaftliche Experimente in einem geschlossenen System erprobt werden. Dabei geht es nicht um die Rekonstruktion der Vergangenheit, sondern um die Erfindung möglicher Zukünfte. Das Gelände wird zu einem Ort, an dem sich künftige Astronaut:innen, Forscher:innen und Lernende auf extreme Bedingungen vorbereiten können – und zugleich zu einem Raum, der in Teilen für die Öffentlichkeit erfahrbar wird.


Programm & Radom-Nutzungen

Jede Kuppel wird zu einem spezifischen Labor, gemeinsam bilden sie ein vernetztes Ökosystem: 

  • Agrarlabor: Vertikale Gärten und Biosphären untersuchen Anbausysteme, geschlossene Kreisläufe und klimaangepasste Ökologien.

  • Innovationswerkstatt: Werkstätten, Tribünen und Vortragsbereiche verbinden Forschung und Praxis – Wissen wird hier gemeinsam erprobt und weitergegeben.

  • Energiezentrum: Experimente zu Stromerzeugung und Speicherung bilden die Grundlage für Energieautarkie und technologische Innovation.

  • Forschungsforum: Offene Arbeits- und Begegnungsflächen ermöglichen konzentriertes Arbeiten und interdisziplinären Austausch.

  • Foyer & Wasseraufbereitung: Die Ankunftszone markiert den Einstieg in das Areal, während Regenwasser gesammelt, gefiltert und gespeichert wird – sichtbares Symbol für Selbstversorgung.

  • Planetarium & Gravitationssimulator: Erfahrungsräume, die den Blick ins All richten und das Leben unter veränderten Bedingungen simulieren.

  • Wohn- und Multifunktionsradome: Rückzugs- und Lebensräume, die den Alltag in Isolation erproben und gemeinschaftliches Leben ermöglichen. So entsteht ein funktionales wie kulturelles Netzwerk, das Autarkie, Forschung und Gemeinschaft in einem geschlossenen, dennoch flexiblen System vereint.


Gestaltung & Landschaft

Die Transformation konzentriert sich bewusst auf die Radome und den verbindenden Gang. Der Außenraum bleibt großzügig, offen und unberührt. Die Natur bleibt Hauptakteur: weitläufige Wiesenflächen, Biodiversität und der freie Blick verstärken das Bild der Kuppeln als Landmarken. Minimaler Eingriff, maximale Wirkung – die Architektur schwebt über der Landschaft, ohne sie zu dominieren. Die Radome gewinnen so eine doppelte Präsenz: als funktionale Zukunftslabore und als stille, weithin sichtbare Symbole einer neuen Epoche. Ein verbindender Gang erschließt die Radome untereinander. Er ist mehr als Infrastruktur – er verkörpert den Gedanken des geschlossenen Systems und verbindet Forschung, Alltag und Training zu einem Gesamtorganismus. Gestalterisch werden die Radome durch GFK-Paneele, Glaselemente und Solarmodule neu gefasst. Die Oberflächen generieren Energie, modulieren Licht und machen die Kuppeln zu strahlenden Körpern. Die vertraute Form bleibt erkennbar, doch die Materialität transformiert sie in technische, leuchtende Monumente.


Gesellschaftlicher Mehrwert

Das Projekt richtet sich in erster Linie an jene, die an der Grenze des Möglichen arbeiten: zukünftige Astronaut:innen, Forscher:innen und Lernende, die hier in realistischen Szenarien Autarkie, extreme Lebensbedingungen und gemeinschaftliches Handeln trainieren können. Doch das Gelände bleibt nicht exklusiv: An ausgewählten Tagen wird es für die Öffentlichkeit geöffnet, sodass Besucher:innen das Leben in dieser abgeschlossenen Welt selbst ausprobieren können. Damit wird das Projekt zu einem Vermittler zwischen Forschung und Gesellschaft. Die Radome wandeln sich von abgeschotteten Strukturen der Geheimhaltung zu offenen Experimentierfeldern einer möglichen Zukunft. Sie verbinden wissenschaftliche Präzision mit kultureller Vision, Alltag mit Utopie. Das Gelände wird zu einem Symbol des Wandels: von der Kontrolle zur Offenheit, von der Isolation zur Kooperation, von der Vergangenheit zur Zukunft. Dieser Entwurf versteht sich bewusst als visionäres und utopisches Szenario. Er ist nicht allein realistisch gedacht, sondern öffnet Räume für Imagination und Diskussion. Bad Aibling wird damit zu einem Ort, der über sich hinausweist – ein Labor für nachhaltige Technologien, soziale Experimente und kulturelle Zukunftsbilder zugleich.


https://www.competitionline.com/de/news/ergebnisse/vfa-studierendenwettbewerb-2025-echelon-decrypted-zukunft-fuer-die-radome-von-bad-aibling-612740/prizegroup/1-preis-212842.html

Daniel Afriyie Owusu

Mila Kay

bottom of page