[Office Building] Typologies
Ort
HANNOVER
Art
ARCHITECTURAL CONCEPT
Jahr
2023
Zu Beginn der Recherche zum Thema waren sehr schnell einige grundlegende Merkmale von Bürobauten ersichtlich. Als Grundlage zur Gestaltung dient in der Regel ein Raster (1,25m - 1,5m), welches im Grundriss und Fassade ablesbar ist. Die klare Struktur der Fassade lässt die Funktion der Gebäude schnell ablesen. Ein weiteres Merkmal ist ein zentraler Eingang in Verbindung mit einem Foyer als Ausgangspunkt für eine einfache und schnelle (kurze Wege) Erschließung des Gebäudes in unterschiedlichen Formen (Einbund, Zweibund, Dreibund). Häufig gibt es auch Begegnungs-/Aufenthaltsflächen auf jedem Geschoss, die meist an die Erschließungskerne angegliedert sind. Ein Headquarter bildet grundsätzlich die gleichen Merkmale wie ein Bürobau ab, unterscheidet sich aber im gestalterischen Anspruch und einer höheren repräsentativen Wirkung im Innen- und Außenraum.
Im weiteren Verlauf der Analyse haben wir festgestellt, dass die einzelnen Gebäude unterschiedliche Formen der Raumanordnung aufweisen. Die verschiedenen Formen ermöglichen unterschiedliche Kommunikationswege und -ausprägungen. Manchmal sind die Anordnungen bewusst gewählt, manchmal geben städtebauliche Bedingungen es vor, weshalb die Raumanordnungen sich, ähnlich der bekannten städtebaulichen Anordnungsformen, in folgende Kategorien sortieren lassen:
Linear (Zeile):
Die Form zeichnet sich durch eine lineare Anordnung der Räume aus. Hierbei werden die Räume regelmäßig an die Erschließung gereiht, sodass lange Korridore entstehen.
Beispiel historisch: Monadnock Building, Chicago, Burnham & Root 1889-91, Holabird & Roche 1891-93
Das Bauwerk in Chicago bildet das klassische Raster eines Bürobaus ab. Die gleichmäßigen Räume weisen eine hohe Flächeneffizienz auf. Interessant an diesem Gebäude ist der Wechsel zwischen einem Zwei- und Dreibund, der nicht nur die räumlichen Qualitäten der verschiedenen Konzepte verdeutlicht, sondern auch die zwei zeitlich versetzten Bauabschnitte widerspiegelt.
Beispiel Universität: ETH Büro- und Seminargebäude HCP, Zürich, Züst Gübeli Gambetti 2011-2015
Der Entwurf weist einen klaren Dreibund auf, und die sich wiederholenden Räume lassen sofort auf die Nutzung schließen. Durch die Hanglage des Gebäudes und die Verschiebung der Geschosse sind spannende Räume an den sich überlagernden Stellen gestaltet worden, indem sie aus der monotonen Raumabfolge ausbrechen und eine Kommunikation über die Geschosse ermöglichen.
Kamm:
Ähnlich wie bei der linearen Abfolge erfolgt die Anordnung der Räume entlang der Erschließung. Durch die zusätzlich gestalteten Gebäudeflügel wird nicht nur eine Begegnung auf den Erschließungsflächen, sondern auch eine kommunikative Verbindung zwischen den Flügeln und den Zwischenräumen ermöglicht.
Beispiel historisch: Uffizien, Florenz, Giorgio Vasari, Bernardo Buontalenti, Alfonso Parigi der Jüngere 1560-1580
Das wohl erste Verwaltungsgebäude weist eine Hufeisenform mit einer Gangerschließung an der Innenseite auf. Im EG noch eine Arkade ist die Erschließung in den Obergeschossen hinter der geschlossenen Fassade. Der Hof zieht den Stadtraum in das Gebäude hinein und dient als Foyer zur Erschließung und Kommunikation (vor allem von außen). Schon hier ist eine Regelmäßigkeit vor allem in der Fassade zu erkennen, die Räume sind teilweise noch individuell an die Nutzung angepasst.
Beispiel Universität: Pädagogische Hochschule, Setubal Portugal, Alvaro Siza 1986-1994
Das Uffizien-Konzept wurde von Alvaro Siza invertiert. Die Erschließung liegt auf der Außenseite, und die Gebäudeflügel formen einen Hof, der vom Straßen-/Stadtraum abgegrenzt ist. Die wiederholten Raumstrukturen sind somit zum Innenhof orientiert, und die Beziehungen haben einen starken internen Fokus. Zur zusätzlichen Stärkung sind umlaufende Balkone angeordnet.
Radial (Block):
Die radiale Anordnung von Räumen ermöglicht eine gleichmäßige Orientierung nach innen und außen. Zudem ist die Erschließung ideal, um schnell in alle Gebäudeteile zu gelangen.
Beispiel historisch: Larkin Administration Building, Buffalo, Frank Lloyd Wright 1906
Das Larking Building ist als Headquarter mit starkem internen Fokus konzipiert. Als eines der ersten Großraumbüros sollte die Kommunikation vereinfacht werden. Durch die außenliegenden Kerne, ein großzügiges Atrium und nach innen orientierte Arbeitsplätze soll dieser Aspekt unterstützt werden. Dieses Prinzip wurde sehr häufig verwendet, jedoch hat sich herausgestellt, dass es genau das Gegenteil bewirkt hat, da es keine Privatheit gab und sich so die bekannten Cubicles mit minimaler Interaktion zwischen den Angestellten entwickelt haben.
Beispiel Universität: FHNW-Campus, Muttenz, Pool Architekten, 2014-2018
Pool Architekten haben sich den radialen Typus ebenfalls zu nutzen gemacht. Sie nutzen die Erschließungskerne, um aus der Großraumstruktur eine kleinteilige zu machen. Sie erstrecken sich von der Fassade bis zum Atrium mit einem Laubengang. Hier wird das Atrium nicht nur zur Belichtung und Belüftung genutzt, sondern auch als repräsentativer Treppenraum. So wird eine attraktiver Kommunikationsort geschaffen und zeitgleich das Konzept des Larkin Buildings weiterentwickelt und an zeitgemäße Anforderungen angepasst.
Punkt:
Bei der punktförmigen Anordnung reihen sich die Räume rings um den Erschließungskern an. Meist liegt dieser zentral im Gebäude, manchmal wird er auch mehr zu einer Seite verschoben, um verschiedene Bundtiefen zu generieren und so unterschiedliche Nutzungen zu ermöglichen und die Räume zu priorisieren.
Beispiel historisch: Kollhoff-Hochhaus, Berlin, Hans Kollhoff 1999
Das markante Eckhochaus lässt trotz der spitzen Form flexible Nutzungen und Räume zu. Grund hierfür ist der kompakte Kern, der sich der Gebäudeform anpasst und somit rechtwinklige Räume und wieder eine “lineare” Raumabfolge zulässt. Ein Nachteil dieser Anordnung ist, dass es keine Begegnungsflächen ermöglicht. Lediglich die Räume vor dem Fahrstuhl und die umlaufenden Flure dienen dem internen Austausch.
Beispiel Universität: City-Hochhaus, Leipzig, Hermann Henselmann 1968-1972
Der typisch innenliegende Treppenraum nimmt eine vereinfachte Form der geschwungenen Kubatur auf. Die umliegenden Flure erhalten unterschiedliche Breiten und somit eine Priorisierung. An den kritischen Ecken in den Grundrissen erhält das Gebäude besondere Räume, die sich in Größe und Form unterscheiden. Zudem wird der Kern auch von der Mitte weggeschoben, sodass leicht unterschiedliche Raumtiefen entstehen.
Willkürlich:
Bei der vermeintlich willkürlichen Anordnung werden die Räume nicht regelmäßig angeordnet. Unterschiedliche Raumgrößen wechseln sich ab, und somit wirken die Erschließungen so unübersichtlich und die Kerne belegen die “Restflächen”. Ein grundlegendes Raster wird weiterhin befolgt und ist klar erkennbar.
Beispiel historisch: Kantoorgebouw Centraal Beheer, Apeldoorn, Herman Hertzberger 1972
Die Grundrissstruktur aus vielen Modulen, die jeweils einen Raum abbilden. Verbunden durch viele orthogonale Flure, die an eine amerikanische Stadtstruktur erinnern, wirkt es zunächst unübersichtlich und kompliziert. Durch das Weglassen von Modulen werden unterschiedliche Raumeindrücke geschaffen und im Zentrum ein Ort des Zusammentreffens definiert. Die Erschließungskerne schieben sich an geeigneten Stellen zwischen die Module.
Beispiel Universität: Library Qatar University, Doha, Kamal el Kafrawi 1973-1985
Diese Bibliothek nutzt eine Wabenstruktur zur Raumbildung. Durch das Öffnen und Zusammenschließen der Module entstehen fließende Räume, die sich um die große Zentralhalle anordnen. Die Treppenräume gliedern sich nahtlos in diese Struktur ein, wirken allerdings ohne Konzept. Vielmehr macht es den Eindruck, als ob an den gewählten Stellen “noch Platz war”.
Der Wolpertinger:
Unser Stegreifentwurf für die Typologie Bürogebäude/Headquarter in Bezug auf ein Universitätsgebäude verbindet die Merkmale aller genannten Anordnungsformen. Vom typischen Raster als grundlegendes Gestaltungselement zu den verschiedenen Raumabfolgen, kurzen Erschließungswegen, Kommunikationsflächen und repräsentativen Räumen ist alles abgebildet. Für eine Universität ist eine klare und einfache Orientierung essentiell, daher wurde auf das “willkürliche” verzichtet.






